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Wenn du für ein Produkt nichts zahlst, bist du das Produkt

4. März 2021 · zuletzt aktualisiert 11. Mai 2022


Vom 9-Cent-SMS zum „kostenlosen" Messenger

Im Jahr 2009 startete eine App, die für uns alle den Begriff „Messenger" geprägt hat: WhatsApp. Bis dahin haben wir SMS geschrieben — eine SMS kostete in Deutschland um die 9 Cent. Eine wahre Goldgrube für die Provider.

Dann kam ein Dienst, der faktisch kostenfrei angeboten wurde und auf den ersten Blick auch keine versteckten Kosten verursachte. Wie geht das? Egal — es funktioniert, und es gibt keinen offensichtlichen Haken.

Der 19-Milliarden-Dollar-Deal

Im Februar 2014 kaufte Facebook den kostenfreien Dienst für rund 19 Milliarden US-Dollar. Wir bezahlen auch heute noch nichts für den Dienst, über den ein Großteil unserer täglichen Kommunikation läuft. Aber wie kann ein Unternehmen 19 Milliarden Dollar für etwas bezahlen, das keinerlei direkte Einnahmen erwirtschaftet? Was ist das für ein Irrsinn?

Die Antwort:

„Wenn ein Produkt nichts kostet, dann bist du das Produkt."

Was wirklich erfasst wird

Unsere tägliche Kommunikation via WhatsApp hinterlässt eine Spur sogenannter Meta-Daten:

  • Wer schreibt mit wem
  • … wie lange
  • … wie oft
  • Wer steht mit wem in welcher Verbindung
  • Wer steht wann mit wem in Verbindung

Das ist nur ein Bruchteil der erfassten Daten. Einzeln betrachtet wirken sie banal — in Summe ergeben sie ein präzises Bild ganzer Beziehungsnetzwerke. Hinzu kommt der Abgleich des kompletten Telefon-Adressbuchs mit den Servern von Facebook — und das ganz ohne Zustimmung derer, die darin eingetragen sind.

Facebooks Geschäftsmodell besteht im Kern aus zielgerichteten Werbeanzeigen, die anhand genau solcher Datenprofile ausgespielt werden. Vor diesem Hintergrund werden die 19 Milliarden Dollar plötzlich nachvollziehbar.

Der Wendepunkt: 8. Februar 2021

Am 8. Februar 2021 sollte die erweiterte Erfassung der Daten aus WhatsApp durch neue Datenschutzbedingungen legitimiert werden. Aufgrund des enormen Widerstandes der Nutzer und negativer Presse — sogar Elon Musk rief mit einem prägnanten „Use Signal" zum Wechsel auf — wurden die Bedingungen zunächst verschoben.

Meine Konsequenz

Diesen Tag habe ich als Anlass genommen, mich von WhatsApp zu trennen und auf eine Alternative zu wechseln: Threema — ein Schweizer Messenger ohne Werbe-Geschäftsmodell, mit Servern in der Schweiz und ohne Pflicht zur Telefonnummer-Hinterlegung.

Im Klartext: „Gratis" gibt es im Netz fast nie. Wer nichts mit Geld bezahlt, bezahlt mit den eigenen Daten — und meistens auch mit den Daten aller, die im eigenen Adressbuch stehen.
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